Es gibt eine stille Verschiebung, die kaum jemand ausspricht und die doch überall spürbar ist.
Eine Logik, die sich nicht aufdrängt, sondern sich durchsetzt. Unauffällig, konsequent, fast selbstverständlich.
Die Logik der Verwertbarkeit.
Dinge, Menschen, Orte – sie verlieren ihren Wert nicht plötzlich. Sie verlieren ihn leise.
Nicht durch Entscheidung, sondern durch Bewertung. Oder genauer: durch das Ausbleiben von Bewertung.
Ein alter Mensch sitzt in einem Raum. Er hat Zeit. Zu viel Zeit.
Nicht, weil Zeit plötzlich im Überfluss da wäre, sondern weil sie niemand mehr braucht.
Seine Geschichten haben keinen Markt mehr. Seine Erfahrungen keinen Preis.
Er wird nicht abgelehnt. Er wird verwaltet.
Ein kranker Mensch wird versorgt. Effizient, strukturiert, organisiert.
Alles funktioniert. Und doch fehlt etwas.
Nicht aus Bosheit, sondern weil es keinen Platz mehr hat: Zeit ohne Zweck.
Die Frage stellt sich nicht laut, aber sie steht im Raum:
Was bringt das noch?
Diese Frage ist der Kern.
Sie entscheidet darüber, was bleibt – und was verschwindet.
Auch draußen, jenseits der Städte, zeigt sich die gleiche Logik.
Ein Wald ist nicht einfach ein Wald. Er ist Bestand, Fläche, Potenzial.
Ein Meer ist nicht einfach ein Meer. Es ist Ressource.
Eine Landschaft ist nicht einfach da. Sie muss sich lohnen.
Und wenn sie das nicht tut, wird sie entweder übersehen –
oder romantisiert.
Aber selten ernst genommen.
Das Absurde daran ist nicht, dass wir nutzen.
Das haben Menschen immer getan.
Das Absurde ist, dass wir kaum noch etwas gelten lassen,
das keinen Nutzen hat.
Ein Moment ohne Zweck wirkt plötzlich wie Leerlauf.
Ein Ort ohne Funktion wie Verschwendung.
Ein Mensch ohne Output wie ein Problem.
Und genau hier kippt etwas.
Denn was keinen Zweck hat, entzieht sich der Logik.
Es lässt sich nicht einordnen, nicht messen, nicht rechtfertigen.
Es ist einfach da.
Und genau das wird schwierig.
Nicht, weil es wertlos wäre –
sondern weil es sich nicht verwerten lässt.
